kostprobe...


Schalke kommt!

Es ist Sonntag und Markus hat zum Brunchen geladen. Der Brunch wird aufgrund des Wetters jedoch kurzfristig in einen Freibadbesuch getauscht. Hossa.
Da ich Freibäder hasse entschließe ich ich mich kurzfristig das schöne Saarbrücken zu besuchen und mich an der Saar in die Sonne zu legen.
Da ich nicht mit einem Auto gesegnet bin, nehme ich die Saarbahn. Das macht sonntags besonders viel Spaß, da die Bahn meistens ziemlich leer ist bei diesem Wetter sowieso.
Denke ich. Noch!
Als ich in die Bahn einsteige, ist sie voll. Voller Menschen in blauschwarzen Fußballtrikots mit Bierdosen in der Hand. Das wäre nicht schlimm, aber bitte nicht um diese Uhrzeit und nicht in der Straßenbahn, mit der ich fahren möchte.
Die Fahrt nach Saarbrücken ist die Hölle, jemand kotzt mir auf die Schuhe, zum Glück habe ich nicht die Flip Flops angezogen.
Freibad wäre jetzt eine tolle Option.
Das erste was ich sehe, als die Bahn in Saarbrücken ankommt ist eine dicke tätowierte Frau, deren halbes Gesäß aus der Hose hängt. Sie sollte besser kein Fußballtrikot tragen und das Bier sofort gegen ein Stilles Wasser light tauschen.
Überall sind Polizisten, schwer bewaffnet, mit Hunden.
Schalker Fans tragen T-Shirts mit Aufdrucken wie „Jeder hasst uns - scheißegal!“ Herrlich.
Als ich ein paar Fotos machen möchte, um sie den Freibadtrotteln zu zeigen, die hier einiges verpassen, wird mir von Seiten der Polizei angedroht, mein Mobiltelefon zu konfiszieren.
Ich möchte weg von hier.
Die Leute werden betrunkener und hässlicher, zwei Hamburger zum Mitnehmen und ab in die Bahn. Diese ist ist menschenleer aber voller leerer Dosen und Flaschen. An die Scheibe hat eine dieser Flaschen, vermutlich mit Edding, geschrieben: „Please drink and drive!“ Das ist der Wahnsinn... Und der hat einen Namen.
Schalke gewinnt 0:5, auch dank der tollen Unterstützung der Fans.
Abends schaue ich mir im Fernsehen die Zusammenfassung des Spiels an und freue mich. Darüber, nicht im Freibad, dafür aber live bei der Ankunft der Fans aus dem Ruhrpott dabei gewesen zu sein.
Alles in Allem ein verlorener Tag.



Ein Tag am Staden

Wenn es warm, beziehungsweise heiß ist in der Stadt, dann legen sich die Menschen auf die Wiese neben dem Fluss. Und genießen ein kühles Erfrischungsgetränk im nahegelegenen Biergarten am Staden. Manche schütten sich auch morgens um elf schon dermaßen zu, dass ihnen nichts bleibt außer sich sofort auf die Wiese zu legen, um nicht unangenehm aufzufallen. Sie verbrennen qualvoll in der heißen Sonne was aber immer noch besser ist, als an der eigenen Kotze zu ersticken.
Um diese Zeit, also gegen elf, ist am Staden noch nicht so viel los. Man sieht nur vereinzelt ein paar Sonnenanbeter, selten Pärchen.
Ein Mittfünfziger liegt nackt nur mit einem Handtuch über den Lenden auf der Wiese. Lecker.
Junge Menschen joggen am Fluss entlang, ältere Damen führen ihre Hunde aus. Manchmal führen auch die Hunde die älteren Damen aus. Das macht aber nichts.
Gegen Mittag tauchen die ersten hippen „ich bin Freiberufler und habe schon frei“-Leute auf,
„Hängen“ auf den Bänken im Schatten ab, rauchen und surfen mit ihren Tablets im Internet. Dazu ein Heinekken, das ist in. Sie hätten auch zu Hause bleiben können, besser gesagt im „Home Office“. Dieses ist jetzt hier.
Am Nachmittag kommt dann das tatsächlich arbeitende Volk, genießt einen den ganzen Tag auf dem Grill gereiften Schwenker oder eine leckere Bartwurst. Schwarz.
Abends fließt das Bier in Strömen. Teenager rauchen angeblich nur Dufttabak aus Wasserpfeifen und knutschen. Warum machen sie das nicht zu Hause und ersparen einem diesen Anblick?
Der Mittfünfziger ist inzwischen feuerrot geworden und brennt, die Jogger spielen Frisbee und die Obdachlosen sammeln die leeren Flaschen auf, die das reiche Volk achtlos fallen lässt, in seinem Rausch.
Die Welt ist fair, für jeden gibt es genug. 



Bootsschuhe

Es ist Samstag Nachmittag und die Langeweile hat Einzug genommen. Der Wochenrückblick von "GZSZ“ ist Gott sei Dank vorbei und nach „Familien im Brennpunkt“ steht mein Entschluss fester denn je, ich werde meinen Fernseher in den Keller tragen und dort soll er dann auch bleiben. Für den Rest seines und meines Lebens. Weil so geht es nicht weiter. Auf dem Weg zurück vom Keller gehe ich am Briefkasten vorbei, keine Post, auch gut. Der Briefkasten meines Nachbarn ist dagegen voll. Ein Hochglanzmagazin fällt fast heraus, es ist die „GQ“. Ich fühle mich verantwortlich für das verloren zu gute Stück, überlege deshalb nicht lange und nehme die Zeitschrift an mich. Wie immer.
Sie wird mich die nächste Stunde beschäftigen, ich habe mir vorgenommen alle Artikel und Reportagen sorgfältig zu lesen und nicht nur, wie sonst, wenn mir ein solches Meisterwerk in die Hände fällt nur die Bilder anzuschauen. Nach gigantischen 5 Minuten, die mein Leben wirklich bereichert haben bin ich kurz davor aufzugeben. Da fällt mein Blick auf eine Kaufberatung für Boots-, beziehungsweise Segelschuhe. Es ist der Wahnsinn. Endlich weiß ich was zu tun ist, ich werde mir Bootsschuhe kaufen. Der Dispo ist ja auch nicht umsonst da, sondern will, dass man über ihn verfügt.
Ich ziehe meine ältesten Chucks an und laufe in die Stadt. Ganz fest habe ich mir vorgenommen zum Schuhverkäufer zu sagen „Ich lass die Neuen gleich an, die Alten können sie wegwerfen.“ Es ist sehr warm und ich merke, wie meine Füße schwitzen, daraus schließe ich, dass sie gleich im Stoffwechsel, dem hippsten Schuh- und Klamottenladen der Stadt, fürchterlich stinken werden. Das tun sie auch und der Verkäufer rümpft die Nase und möchte mir zum anprobieren ein paar Einmalsocken reichen. Ich lehne dankend ab, weil ich ersten weiß, dass ich Größe 42 habe und auch dass ich diesen Schuh nehmen werde. Ich werfe ihm 250 Euro und meine alten Chucks verächtlich auf die Theke und verlasse den Laden. Nach der halben Strecke nach Hause habe ich Blasen an den Füßen. Ich weine, weil meine Chucks weg sind und weil die GQ mich belogen hat. Die Bootsschuhe sind weder bequem noch sehen sie in irgendeiner Weise gut aus. Ich entsorge die GQ-Zeitung im Briefkasten meines Nachbarn und hole meinen Fernseher aus dem Keller.
Meine Chucks werde ich wohl nie wieder sehen.